Dieser Beitrag ist Teil unserer Wissensreihe zum Thema „Altersvorsorgedepot 2027“.
In unseren bisherigen Beiträgen unserer Wissensreihe ging es um das neue Altersvorsorgedepot selbst: Was es ist, wie es funktionieren soll und worauf man bei Angeboten achten sollte. Bleibt die Frage, warum es überhaupt eingeführt wird. Um das zu verstehen, gehen wir einen Schritt zurück und schauen uns die gesetzliche Rentenversicherung an: wie sie funktioniert, was sie heute leistet und vor welchen Herausforderungen sie steht.
Altersvorsorge vs. Altersvorfreude: Wie verlässlich ist die gesetzliche Rentenversicherung wirklich?
Der letzte Arbeitstag ist vorbei.
Endlich Zeit für den Garten, für Freunde und Familie oder für die lange geplante Weltreise. Die persönliche Bucketlist sieht bei jedem von uns anders aus. Miete, Einkäufe, Sprit: Die Fixkosten laufen weiter. Viele gehen davon aus, dass diese nach 45 Beitragsjahren gut zu stemmen sind.
Ob die gesetzliche Rente allein jedoch ausreicht, schauen wir uns später genauer an.
Was können Rentnerinnen und Rentner aktuell erwarten?
Für heute Jüngere liegt die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren. Im Schnitt gehen Menschen in Deutschland mit 64,7 Jahren in Rente (wer früher geht, muss pro Monat 0,3 % Abschlag in Kauf nehmen).
Ende 2025 lag die durchschnittliche Altersrente bei 1.195 € im Monat: bei Männern 1.449 €, bei Frauen 994 €. Frauen erhielten damit knapp ein Drittel weniger.
Nicht immer reicht die Rente zum Leben: Ende 2025 bezogen rund 764.000 Menschen Grundsicherung im Alter. Zugleich arbeitete 2026 jede siebte Rentnerin beziehungsweise jeder siebte Rentner zwischen 65 und 74 Jahren neben der Rente weiter, Tendenz steigend.
Es kann aber auch anders laufen. Wer über 45 Jahre hinweg jährlich den maximal möglichen Betrag eingezahlt hat, erhält Stand 2026 3.735 € brutto im Monat. Dafür muss man allerdings 45 Jahre lang in jedem Jahr mindestens so viel verdient haben, wie die Beitragsbemessungsgrenze vorgibt. 2026 liegt sie bei 8.450 € brutto im Monat. Eine gesetzliche Rente über 3.000 € erhielten Ende 2025 nur etwa 0,3 % aller Rentnerinnen und Rentner.
Wird das eingezahlte Geld für mich angespart?
Nein, und das ist vielen nicht bewusst. Ein persönliches Konto, auf dem die eigenen Beiträge liegen, gibt es nicht. Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) finanziert sich über das sogenannte Umlageverfahren. Das bedeutet: Die heutigen Beitragszahlerinnen und Beitragszahler finanzieren die Renten der heutigen Rentnerinnen und Rentner. Im Gegenzug erwerben sie Ansprüche, die später von der nächsten Generation der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler bezahlt werden. Das System trägt sich nur aus Beiträgen, solange mindestens soviel ein- wie auch ausgezahlt wird.
Was, wenn das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und -zahlerinnen und Rentnerinnen und Rentnern weiter sinkt?
1962 kamen auf eine Altersrentnerin beziehungsweise einen Altersrentner noch sechs Einzahlende, seit 2022 sind es nur noch rund zwei.
Dies wirkt sich spürbar auf die Finanzen der GRV aus: 2025 betrugen die Ausgaben rund 427 Milliarden €.
Den Rest musste der Bund bezuschussen. Gemessen an der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands entsprachen die Rentenausgaben rund 9 %, die Bundeszuschüsse rund 2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) (eigene Berechnung nach DRV). Deshalb bleibt das Thema politisch nach wie vor aktuell.
Warum wird das System nicht reformiert?
Tatsächlich wurde das gesetzliche Rentensystem mehrmals reformiert. Werfen wir im Folgenden einen Blick auf vergangene Reformen und ihre Ziele.
Reform-Historie mit Bezug auf die Wohlstandssicherung im Alter
| 1889 | Die gesetzliche Altersrente startet, erst ab 70. Arbeiter und Arbeitgeber zahlen je die Hälfte der Beiträge.
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| 1957 | Die Rente soll das Gehalt im Alter ersetzen und steigt mit den Löhnen. Die Berufstätigen von heute zahlen die Renten von heute.
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| 1992 | Die Renten steigen nicht mehr ganz so stark wie die Löhne. Wer vor 65 geht, bekommt dauerhaft weniger.
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| 2001 | Die gesetzliche Rente ersetzt langfristig einen kleineren Teil des Gehalts. Der Staat fördert private Vorsorge (Riester).
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| 2004 | Immer mehr Rentnerinnen und Rentner, immer weniger Berufstätige: Die Renten steigen langsamer.
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| 2007 | Das Rentenalter steigt von 65 auf 67 (voll ab Jahrgang 1964).
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| Ab 2014 | Früher in Rente nach 45 Beitragsjahren, Mütterrente und Grundrente. Mehr Leistungen, aber das Grundproblem bleibt: Immer weniger Berufstätige finanzieren immer mehr Rentnerinnen und Rentner.
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| Januar 2026 | Rentenniveau bleibt bis 2031 bei mindestens 48 %. Wer im Rentenalter weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 €im Monat steuerfrei verdienen (Aktivrente). Ab 2027 gibt es mehr Mütterrente (rund 5 Mrd.€ pro Jahr). Das hilft vor allem heutigen Rentnerinnen und Rentnern, nicht dem Grundproblem.
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| Mai 2026 | Das Altersvorsorgedepot ist beschlossen. Ab 2027 gibt es staatliche Förderung für die freiwillige private Vorsorge, auch mit Fonds und ETFs. Es löst Riester für neue Verträge ab.
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Was bedeutet das für Sie?
Die gesetzliche Rente deckt eher die Grundkosten, zum Beispiel für Ihre Einkäufe, Miete oder Hausinstandhaltungskosten. Reisen, Hobbys und der Spielraum, den Sie sich leisten wollen, sind damit nicht automatisch finanziert. Der Unterschied zwischen dem, was voraussichtlich ankommt und dem, was Sie tatsächlich benötigen, nennt sich Vorsorgelücke.
Hierzu vier Fragen, die Sie frühzeitig für sich klären sollten:
- Wie viel Geld benötigen Sie im Monat, um so zu leben, wie Sie es sich vorstellen, und nicht nur, um über die Runden zu kommen?
- Wann wollen Sie aufhören zu arbeiten?
- Wie hoch wird Ihre gesetzliche Rente voraussichtlich sein? (Orientierungshilfen liefern die jährliche Renteninformation, die Digitale Rentenübersicht oder der Online-Rentenhöhenrechner der GRV)
- Wie groß ist Ihre persönliche Vorsorgelücke, wie viel Zeit bleibt Ihnen, diese zu schließen, und was ist der effizienteste Weg?
Wenn Sie sich diese Fragen stellen, gehören Sie zu den rund drei Vierteln der 18- bis 35-Jährigen, die festgestellt haben, dass sie sich mit der Planung ihres Ruhestands beschäftigen sollten. Immerhin macht dieser Lebensabschnitt knapp 25 % Ihres Lebens aus.
Allerdings kommen laut einer Studie der Deutschen Bank 45 % der Befragten nicht in die Umsetzung. Denn in einer Welt, in der Vorsorge aus staatlich geförderten Modellen, betrieblicher Vorsorge, Fonds/ETFs und Versicherungen besteht, ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Jedes Angebot hat eigene Regeln, Kosten und vor allem steuerliche Folgen, die viele nicht berücksichtigen. Umso wichtiger ist es, dass Sie die Schließung Ihrer Vorsorgelücke nicht von Produkten allein abhängig machen, sondern Ihren individuellen Lebensweg konzeptionell betrachten.
Kurz gesagt
Die gesetzliche Rente ist eine Basis, aber selten der ganze Plan. Wer seine voraussichtliche Rente kennt und den eigenen Bedarf ehrlich einschätzt, kann die persönliche Vorsorgelücke bewusster angehen. Welche Bausteine dafür sinnvoll sind, hängt von der individuellen Lebenssituation ab und lässt sich nicht pauschal beantworten.
Sie haben Fragen zum Altersvorsorgedepot oder zu Ihrer persönlichen Vorsorgesituation?
Wenden Sie sich dazu gerne unter den bekannten Kontaktmöglichkeiten an Ihren TauRes-Berater oder TauRes-Beraterin. Weitere Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die gesetzlichen Regelungen zum Altersvorsorgedepot können sich im weiteren Verfahren noch ändern.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Die heutigen Beiträge fließen direkt in die heutigen Renten. Ein persönliches Sparkonto gibt es nicht. Wer einzahlt, erwirbt Ansprüche, die später von den dann Erwerbstätigen finanziert werden. Ergänzt wird das System durch Zuschüsse des Bundes.
Ja. Eine Abschaffung der gesetzlichen Rente ist nicht geplant, auch keiner der aktuellen Reformvorschläge sieht das vor. Offen ist vor allem, wie sich Rentenniveau, Beitragssatz und Renteneintrittsalter langfristig entwickeln. Grundlage der geplanten Rentenreform sind die Empfehlungen der Alterssicherungskommission, einer von der Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission. Ein Gesetz dazu ist noch nicht beschlossen. (Stand: Oktober 2026)
Die Vorsorgelücke ist der Unterschied zwischen dem Einkommen, das Sie im Ruhestand voraussichtlich zur Verfügung haben, und dem Betrag, den Sie für Ihren gewünschten Lebensstandard benötigen. Zu berücksichtigen sind dabei auch Steuern, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie die Inflation.
Ab dem 27. Geburtstag und nach mindestens fünf Beitragsjahren versendet die Deutsche Rentenversicherung (DRV) einmal jährlich eine Renteninformation, ab dem 55. Geburtstag alle drei Jahre eine Rentenauskunft. Orientierung bieten zudem der Rentenbeginn- und Rentenhöhenrechner der DRV und die Digitale Rentenübersicht, die auch betriebliche und private Vorsorge bündelt. Alle Angaben sind Hochrechnungen, keine garantierten Werte.
Ja, sofern Sie die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllen. Dazu zählen neben Beitragszeiten zum Beispiel auch Kindererziehungszeiten. Bei Beamten kann die Pension wegen der Rente gekürzt werden. Viele Selbstständige sind nicht pflichtversichert, können aber freiwillig Beiträge zahlen oder unter bestimmten Voraussetzungen die Pflichtversicherung beantragen. Umso wichtiger ist für sie die private Vorsorge.